Befreiungs-Akt

WERKE IN AQUARELL BETON UND BRONZE

 

„Man muss noch Chaos in sich haben um einen tanzenden Stern gebären zu können.“   (Nietzsche)

 

 

 Maya Franzen-Westermayer lebt und liebt die Kunst.Lebensweg und künstlerischer Ausdruck sind bei ihr von Anfang an untrennbar durchdrungen. Immer schon sucht sie das Schöne, das Ausdrucksstarke, das Beständig-Wahre. Sie sieht und erlebt aber auch das Verletzlich-Vergängliche, Brüche und Schmerz. Daraus entwickelt Maya einen besonderen Blick - mit den Augen und mit dem Herzen. Ihr Aufwachsen war unkonventionell und naturverbunden. Sie verbringt ihre frühe Kindheit pendelnd zwischen den USA und ihrem Geburtsort Ibiza. Das unstete Leben ihrer Künstlereltern macht sie weltoffen, doch auch wurzellos. Die Macht der Natur, vor allem der südspanischen Inselwelt mit ihrer glutvollen Sonne und dem allgegenwärtigen Meer, spiegeln sich später im ungezähmten Umgang mit Farbe und in der Vielfältigkeit der Ausdrucksmittel.

 

Ihre Schulzeit verbringt Maya Franzen größtenteils mit ihrer Mutter, die freiberuflich beim Film tätig ist. Außerdem durchlebt sie diese, für sie nicht einfache Zeit in mehreren Pflegefamilien und auf sich gestellt in München. Da sie viel alleine ist, füllt Maya diese Zeit mit ihrer überbordenden Kreativität. Es ist ein schöpferisches sich ausprobieren. Maya malt, zeichnet und versucht sich in den verschiedensten Künsten. Dinge wie Goldschmieden, Perlenweben, Tiffany und diverse Drucktechniken. Alles ist spannend.

 

Mit Erreichen der Volljährigkeit setzt sie sich auf eigene Faust nach Hamburg ab, wo sie 1993 Abitur macht und Parallel dazu ein Café gestaltet. Sie nimmt ein Lehramtsstudium an der Fachhochschule für Gestaltung auf und eröffnet eine Ladengalerie für junge, lebendige Kunst. Dort und im Künstlerhaus Wendenstraße lebt und arbeitet sie, stellt erstmals eigene und fremde Werke aus.

 

Aus dem Bedürfnis heraus, dem wildwüchsigen künstlerischen Schaffen ein solides handwerkliches Fundament zugrunde zu legen, absolviert sie in Oberbayern eine Ausbildung zur Kunstgießerin.

Diese hochinteressante Ausbildung zur Kunstformerin und Bronzegießerin gewährt Maya intensive Einblicke in die Möglichkeiten der plastischen Gestaltung. Sie ist von der streng figurativen Darstellungsweise genauso fasziniert, wie von der schlichten, abstrakten Reduktion. Außerdem besucht sie die Zeichenschule Zeidler und Aktzeichenkurse in München.

 

Als Ausgleich zur harten körperlichen Arbeit macht sie eine Yogalehrerausbildung. Das in dieser neuen Ausbildung enthaltene Studium der menschlichen Anatomie ergänzt das genaue künstlerische Beobachten des menschlichen Körpers mit dem Wissen um die innere Struktur. Die Persönlichkeit reift, Zusammenhänge werden klarer.

 

 

Seit 1996 formt Maya Franzen zunächst als Gesellin, dann auf selbständiger Basis plastische Arbeiten ab und gießt sie in Bronze oder Beton. Ihr gefällt die archaische, fast alchimistische Verwandlung eines Entwurfs bis hin zur fertigen Gussplastik. Der komplizierte Vorgang über mehrere Negativ- und Positivstadien, die verschiedenen Aggregatzustände von flüssig bis fest, die Elemente, die sich greifbar verändern, faszinieren sie. Für sie spiegelt dieser Prozess innere Metamorphosen, die Sich-Gegenseitig-bedingenden-Gegensätze, ja das Leben selbst wider, womit sie auch im eigenen Werk spielt. Sie genießt es, auf Tuchfühlung mit den Kunstwerken zu sein, sie roh und unfertig zu erleben. Unvollendet und unperfekt wie das zutiefst Menschliche in uns. Der intime Kontakt vermittelt ihr das Gefühl von Augenhöhe und hebt die entfremdende Ferne, in die anspruchsvolle Kunst häufig gerückt wird, auf. Auch mit den Menschen dahinter, vielen namhaften Künstlern aus Oberbayern, wie Egon Stöckle, Christiane Demenat, um nur einige zu nennen, ist sie in regem Austausch. Auch nach ihrem Umzug nach Niederbayern assistiert sie ihnen in deren Ateliers und leitet mit ihnen zusammen Bildhauer-/Gießer-Kurse.

 

Mit dem Umzug nach Niederbayern und gleichzeitiger Familiengründung beginnt eine wichtige und reichhaltige Zeit, in der sich Maya Franzen zunehmend als „Lebenskünstlerin“ erlebt. Muttersein und Existenzaufbau treten in den Vordergrund und stauen ihren bildnerischen Schaffensdrang schmerzlich. Das Feld ihres nach außen sichtbaren Tuns beschränkt sich hauptsächlich auf Aktstudien und den kreativen Ausbau des alten Schulhauses, in dem die Familie seit 2003 wohnt. Soweit es der Balanceakt zwischen zweifacher Selbständigkeit und Familie erlaubt, engagiert sie sich aber auch hier in der Kunst- und Kulturszene.

 

Von regionalem Interesse wären da insbesondere:

 

·        - der Glasbau Pfarrkirchen e.V., den Maya Franzen-Westermayer 2011 mitbegründet hat,

 

·        - das Museum für Kinder KiK e.V., für das die Künstlerin langjährig als Kursleiterin tätig ist

 

·       - ihre Initiative “kunst-werk-niederbayern.com“, die sie 2017 zusammen mit der Bildhauerin Franziska      Lankes ins Leben gerufen hat und die alljährlich im Sommer zu den KUNSTWERKWOCHEN einlädt.

 

 

Jeder der selbst Kinder hat weiß, wieviel Kreativität, Zeit, Lebenskraft und Liebe sie uns abverlangen. Inzwischen sind jedoch die zwei prächtigen Söhne Leo und Finn zunehmend selbstständig, wachsen und gedeihen. So wächst auch in der Künstlerin der Wunsch, endlich die Schleusen der Selbstbeschränkung zu öffnen und mit ihrer Kunst wieder an die Öffentlichkeit zu treten.

 

Für diesen „Befreiungs-Akt“ bietet die VHS Bad Griesbach, für die Maya Franzen-Westermayer seit 2014 als Yogalehrerin arbeitet und der fruchtbare Kontakt zu deren Leiterin Ingrid van Brevern eine willkommene Gelegenheit. Zu sehen sind im Rahmen dieser Ausstellung zartfließende, spürbar, hineinsinkbar weibliche und auch kraftvoll lebendige Aktstudien in Aquarell, denen Plastiken aus solidem beständigem Material wie Bronze oder Beton gegenüberstehen.

 

Nicht die Beschränkung auf anatomische Genauigkeit steht im Mittelpunkt, sondern das Wechselspiel mit dem seelischen Ausdruck. Ihr Lebensgefährte – selbst Kunsterzieher und -Maler - formuliert das so:

 

„Ihre langjährige Erfahrung als Yoga-Lehrerin lässt ein ausgeprägtes Gespür für die körperlich-seelische Einheit menschlichen Seins erahnen. Sind nicht auch die so empfindsam dahinfließenden Farberscheinungen und die gleichzeitige Präsentation körperlicher Existenz ein Gleichnis für diese Einheit? Scheinbar ungezähmt suchen diese Farbbewegungen den menschlichen Körper und lassen seine Einzigartigkeit und Individualität spüren. Sich frei im Format zum lebenden Organismus formend, korrespondieren sie mit subtilen menschlichen Regungen.“

 

Die Künstlerin selbst möchte zu den fertigen Werken nur wenig Worte machen, sie lieber auf ihre ureigene nonverbale Art für sich selbst sprechen lassen. Ihr ist eher der Entstehungsprozess bei ihren Aktstudien wichtig; Die spontane Interaktion mit der Eigendynamik des Materials z.B.: Sie liebt die eigensinnig verlaufende Aquarellfarbe genauso wie die flüssigen Gusswerkstoffe. Sie greift fast widerstrebend, dann allerdings gezielt ein in deren Eigenleben, um entweder feinfühlig zu dirigieren, oder wild zu spielen.

 

Viele ihrer Arbeiten - 2 wie 3-dimensional – sind Momentaufnahmen. Zeugen ihres Kampfes, die EINdrücke im Innen und Außen, die lebendige Schönheit und Verletzlichkeit einzufangen und in AUSdruck zu verwandeln. Rasch und hitzig entstanden, sprühen sie auch im gebannten Zustand noch vor Energie. Spuren der Bearbeitung, Narben, Brüche, Wiedersprüche treten offen zu Tage und fordern auch beim Betrachten den nonverbalen Dialog, die Auseinandersetzung mit der Materie, die schon den Schaffensprozess bestimmten.

 

Andere Werke wirken verträumt und melancholisch.
Wie hingehaucht, blinzeln sie nackt und verletzlich eher lichtscheu in die Welt.

 

Wie in einem Kaleidoskop spiegeln die einzelnen Werke jeweils unterschiedliche
Facetten einer schillernden Persönlichkeit.

 

GÄSTEBUCH

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